Potentialorientierte Psychotherapie

Eine Variante der humanistischen Psychotherapie

Die potentialorientierte Psychotherapie wurde von Wolf Büntig gegründet. Sie richtet sich an Menschen, die

  • an dem inneren Konflikt zwischen übermäßiger Anpassung an die Normen anderer (Normopathie) einerseits und dem Bedürfnis nach Selbstbestimmung (Autonomie) andererseits leiden oder gar krank geworden sind,
  • Krise, Leiden und Krankheit als Herausforderung erleben, eigene Möglichkeiten und Fähigkeiten nicht länger fremden Vorstellungen zuliebe zu unterdrücken, und
  • Symptome als Wegweiser in die wesensgemäße Richtung werten entsprechend der Devise "Angst ist Lust, der man keine Richtung gibt".

“Die verbindliche Beziehung zwingt uns am meisten, der zu werden, der wir sind, weil wir es dort am wenigstens aushalten, so zu tun, als wären wir ein Anderer.”

(Wolf Büntig)

Fühlen

Eine zentrale Rolle kommt in der Potentialorientierten Psychotherapie dem Fühlen zu.

Das Fühlen ist – im Gegensatz zu den Gefühlsreaktionen, die durch unspezifische Reize reflexartig und der Situation meist unangemessen ausgelöst werden – ein bewusstes Tun in der Gegenwart. Fühlen bedeutet, mit Sinnen wahrzunehmen, was uns im Inneren bewegt, und der immer neuen inneren Bewegung eine der immer wieder neuen Situation angemessene Bedeutung zu geben.

Durch das Fühlen kann die fühlende Person

  • die Prägung durch die Bedingungen ihrer Sozialisierung erkennen,
  • sich lösen von der Identifikation mit dem Opfer der eigenen Geschichte,
  • situationsgemäß handeln,
  • wahrnehmen, was jetzt wahr ist und
  • Zeuge werden des gegenwärtigen unbedingten Seins.

Erfahren

"Es gibt zweierlei Wissen, Wissen durch Beweisführung und Wissen aus Erfahrung. Die Beweisführung führt zu Schlussfolgerungen und zwingt uns, dieselben anzuerkennen. Sie beseitigt aber weder den Zweifel noch führt sie zu jener Gewissheit, in der der Geist in Frieden ruhen könnte, es sei denn, diese (Gewissheit) käme durch Erfahrung zustande."

Roger Bacon, ca. 1214–1292


Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Die von Sigmund Freuds Psychoanalyse abgeleitete tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie kann Hilfe Suchenden dabei helfen, in den frühen Beziehungen erworbene Fixierungen in Wahrnehmung, Fühlen, Denken und Handeln in Frage zu stellen, den Widerstand gegen Veränderung als Übertragung der seinerzeit sinnvollen Abwehrreaktionen in die Gegenwart zu erkennen und sich in der heilsamen Beziehung zur Therapeutenperson auf neue, das beschränkte Welt- und Selbstbild erweiternde Erfahrungen einzulassen.


Gestalttherapie

In der von Fritz und Lore Perls entwickelten Gestalttherapie – einer Integration von Psychoanalyse, Gestaltpsychologie, Reichscher Charakterkunde und Existenzialismus – lenkt der Therapeut die Aufmerksamkeit des Klienten auf den gegenwärtigen Prozess in der Beziehung zu sich selbst und zur Umwelt. Er unterstützt durch persönlichen Kontakt und frustriert gleichzeitig alle wahrnehmbaren Versuche des Klienten, einer möglicherweise heilsamen Erfahrung in der Gegenwart auszuweichen. Emotionale Durchbrüche in die gegenwärtige Wirklichkeit sowie das damit verbundene Aha-Erlebnis führen zur Lösung von überholten Mustern und zu wachsendem Selbstverständnis.

Körperpsychotherapie


Tiefenpsychologisch fundierte Körperpsychotherapie ist – in der Tradition von Wilhelm Reich, Alexander Lowen, Karlfried Graf Dürckheim und Stanley Keleman – Psychoanalyse des Leibes. Sie geht vom körperlich-seelischen Erleben in der Gegenwart aus. Mithilfe der Arbeit an Atem, Haltung und Ausdrucksbewegungen werden chronische Verspannungen, die ursprünglich zur Bewältigung unerträglichen Erlebens entwickelt wurden, als Entwicklung und Beziehung hemmende Fixierungen wahrgenommen, als Ausdruck von Fremdbestimmung erkannt und im stützenden Kontakt gelöst mit dem Ziel, die dabei frei werdende Lebenskraft für eine befriedigende und reife Lebensgestaltung einzusetzen.

Ericksonsche Hypnotherapie


Die Hypnotherapie nach Milton Erickson basiert auf einem tiefen Vertrauen in das menschliche Potential. Sie nutzt ein vielfältiges Repertoire an Interventionen (naturalistische Tranceinduktion, gezielte Dissoziation, indirekte Suggestion, und so weiter) für effiziente Kommunikation mit dem Unbewussten, um Kooperation mit dem Therapieprozess zu erwirken, im Unbewussten verborgene Ressourcen zu mobilisieren und über Metaphern, Anekdoten und Geschichten innere Ressourcen zu erschließen und für eine erfüllende Lebensgestaltung zur Verfügung zu stellen.

Familienstellen


Verleugnung und Verdrängung von Wahrheit – ob im individuellen Leben oder in Systemen – kostet Lebenskraft. Im systemisch-phänomenologischen Familienstellen kann Verstrickung mit schwerem, mit großer Schuld belastetem oder nicht gewürdigtem Schicksal von Angehörigen eines Systems unmittelbar sichtbar gemacht werden. Die entlastende Wirkung der Zuwendung zu einer ausgegrenzten Person oder der Anerkennung einer bislang geleugneten Wahrheit in Verbindung mit einem lösenden Satz kann deutlich machen, welche Einstellung dem Leben gegenüber notwendig wäre, um Entlastung von Altem und Befreiung zu Neuem möglich zu machen. Dadurch können allerdings heftige Widerstände ausgelöst werden, die mithilfe tiefenpsychologischer Arbeit zu bearbeiten sind.

Somatic Experiencing®


Peter Levine beobachtete, dass Tiere in freier Wildbahn nicht traumatisiert werden, weil sie die in auswegloser Situation sinnvolle Erstarrung nach überstandener Gefahr abschütteln, während Menschen mangels ausreichenden Halts den Schock in Haltemustern fixieren. Somatic Experiencing® unterstützt diesen natürlichen Selbstheilungsmechanismus, sodass dank der Mobilisierung von ungenutzten Ressourcen die im Trauma gebundene Energie – zur Vermeidung der Retraumatisierung in kleinen Schritten – entladen werden kann.

Diamond Approach®


Der Diamond Approach® ist die von H. A. Almaas vermittelte Lehre und Methode zur Entwicklung von spiritueller Reife und Vollständigkeit der Person. Dieser Weg entwickelte sich aus den spirituellen Bedürfnissen von Menschen, die ein alltägliches Leben in der modernen Gesellschaft leben. Er überbrückt die traditionelle Sicht der Trennung zwischen der Welt, aus der wir kommen, und der Welt, in der wir leben.

Quelle: http://www.zist.de/arbeit/inhalt_arbeit_basis.html

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