Persönlichkeitsstörungen

Der Diagnose der Persönlichkeitsstörungen haftet im Allgemeinen ein besonders hohes Ausmaß an Stigmatisierung an. Sie werden als überdauernd und lang anhaltend angesehen.

 

Diese Stigmatisierung findet sich leider auch immer noch in Literatur und Presse. Oftmals steht das Leid der Mitmenschen im Mittelpunkt.

Rein begriffliche Behauptung: hier ist jemand in seiner Persönlichkeit gestört.

Nun nehmen Menschen im Allgemeinen ihre Persönlichkeit meist sehr "persönlich" - sie identifizieren sich mit "ihrer" Persönlichkeit.

Ich spreche lieber von Persönlichkeitsstilen. Dies mag zwar auch etwas sein, was man sich über lange Zeit angewöhnt hat und von dem man nur schwer lassen kann - aber Stile kann man ändern.

Meist sind die dem jeweiligen Persönlichkeitsstil eigenen Verhaltens- und Erlebensmuster bereits in der frühen Kindheit erworben und waren damals eine kreative Lösung, also eine aktive Leistung, um das eigenen Überleben zu sichern. 

Im weiteren Verlauf des Lebens können die zunächst hilfreichen Muster zunehmend maladaptiv, also schädlich werden.

U.a. können sie die Beziehungen zu anderen Menschen stark beeinflussen und erschweren. Das dabei entstehende Leid liegt dabei nicht nur bei dem Mitmenschen, sondern vor allem auch bei dem Betroffenen selbst, der meist massiv unter den Auswirkungen seines eigenen Persönlichkeitsstils leidet. Auch wenn er dieses Leid nicht unbedingt wahr nimmt.

Nochmal - die erworbenen Erlebens- und Verhaltensmuster waren damals meist die einzig gangbare erscheinende Möglichkeit zum Überleben. Dies hat zur Folge, dass diese Muster ich-synton verarbeitet werden. In dem Sinne "ich hab damals damit überlebt - also muss es auch heute noch gut sein".

Es fehlen die neuronalen Schaltkreise, die eine Erlaubnis haben die Muster in Frage zu stellen. Die Betroffenen spüren meist "alle Berechtigung" der Welt, so zu handeln, wie sie handeln.

Im Falle der histrionischen Persönlichkeit reicht es z.B. nicht, einfach die eigenen Betroffenheit oder Verletztheit über ein Erleben auszudücken. Himmel und Hölle müssen über den Gegenüber einbrechen, dass dieser zuhört.  - denn das war schon damals so. Zudem war oft Angriff die einzige Möglichkeit zur Verteidigung. Verletzheit (also Schwäche) zu zeigen damals ein Einladung zu weiterer Verletzung.

Im Falle der narzisstischen Persönlichkeit zeigt der Betroffene immer wieder seinen Beziehungspartnern, wie wenig er sie braucht. Auch wenn das nicht stimmt. Als Kind hat er/sie lernen müssen, die eigenen Bedürfnisse nach Nähe und Beachtung nicht zu spüren - u.U. weil da niemand war. Er hat sich groß halten müssen, um nicht klein zu sein.

Manch zwanghafte Persönlichkeit ist zu gewissen Teilen in der magischen Welt des Kindes verblieben, das sich nicht anders helfen konnte, als durch Rituale und ritualhafte Handlungen seiner Welt ausreichende Struktur zu geben.

Die Psychotherapie von Persönlichkeitsstörungen benötigt Zeit und Beziehung. Sie erfordert eine hohes Maß an Mitarbeit des Klienten und Geduld von seiten des Therapeutens.